Warum gibt es heutzutage eigentlich keine guten Computerspiele mehr?

Ich mag keine Computerspiele mehr spielen. Schon seit 10 Jahren. Fast immer, wenn mich jemand fragte, ob ich eine Runde mitspielen will, verneinte ich, weil ich mir ziemlich sicher war, dass es mich langweilen würde. Immer nur „Ballerspiele“ und MMORPGs mit ähnlichem Konzept, dachte ich mir…

All die verschwendete Zeit

Ein wichtiger Grund dabei war: Bei allen denkbaren Freizeitaktivitäten, fühlte sich „zocken“ als die zeitverschwenderischte an.

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Nicht falsch verstehen, ich verbringe viel Zeit mit Dingen, die man als Zeitverschwendung bezeichnen könnte: Alle Staffeln Breaking Bad, Lost, Stargate Atlantis und Modern Family sehen, zum Beispiel.

Der „Mehrwert“ beim zocken fühlte sich jedoch immer so gering an: Viel Zeit investiert, viel rumgeklickt, oft gelangweilt und selten was dazugelernt. Die Vermutung lag nah, dass es an den Spielen selbst liegt, gäbe es bessere, fiele die „verlorene“ Zeit auch nicht so schwer ins Gewicht.

Das führte dazu, dass ich eigentlich in den letzten Jahren kaum ein Computerspiel spielte, was bewirkte, dass sich meine Vorurteile gegenüber Konsolen- und Computerspiele verhärteten und ich grundsätzlich keine Lust hatte, überhaupt irgendwas am Rechner zu spielen.

Das Experiment

Weil es mir bei anderen Menschen häufig nicht gefällt, wenn ohne Prüfung aufgrund von Vorurteilen alles schlecht geredet wird, beschloss ich, mich möglichst Vorurteilsfrei für mindestens einen Monat in die Spielewelt hineinzubegeben. PC-Spielewelt um genauer zu sein, weil ich keine Konsole besitze und mir die Anschaffung für dieses, kleine Experiment ehrlich gesagt zu teuer gewesen wäre.

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Also, Netflix Abo gekündigt, Steam geladen und los geht’s.

Zum Glück hatte ich dieses Experiment schon länger im Hinterkopf, weshalb ich mir, über das letzte Jahr verteilt, fast jedes Humble Bundle geklickt habe. Das Konzept dort: Man spendet Betrag X für einen guten Zweck und erhält dafür Computerspiele. Ich behaupte einfach mal, dass viele davon schlichtweg Schrott sind, aber meistens sind auch ein oder zwei Spiele dabei, die in Gamer Kreisen sehr geschätzt werden.

Darauf konnte ich nun, neben ein paar wenigen Neuanschaffungen zurückgreifen, ohne groß investieren zu müssen.

Was mir in meiner Jugend gefiel

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Bevor ich loslege, mag es vielleicht noch interessant sein, welche Spiele ich als Kind und Jugendlicher vor dieser langen Spielepause ausgiebig und gerne gespielt habe. Hier kurz in Stichpunkten und ohne große Erklärung:

Erster (i386) Computer,
welcher eher selten zum Spielen genutzt wurde

Gameboy

Super Nintendo

N64

Fazit: Nintendokind, Vorliebe: Jump and Run mit einigen Ausnahmen

nintendokid

Irgendwann mit 16 oder so, begann ich mit Freunden PC Spiele zu zocken. Oft zusammen auf einer mini LAN Party mit 3-4 Leuten oder so. Internet war da noch nicht so flott und wurde minütlich abgerechnet. Unreal Tournament, Serious Sam… Ballerspiele halt. (Entschuldigt bitte die Verallgemeinerung liebe Pro-Gamer)

bored

Während das anfangs echt aufregend und neu war, verflog schnell meine Begeisterung. Letztendlich läuft es, meiner Einschätzung nach, auf die perfekte Koordination von Maus und Tastatur, räumliche Vorstellungskraft, Präzision und Konzentration hinaus. Alles drumherum bliebt in etwa gleich, die Umgebung, die Spieler, die Art der Herausforderungen.

Nicht getroffen werden, anvisieren, schießen, REPEAT.

Für ein gutes Multiplayer Spiel ist eine Menge Training erforderlich, das ist mir bewusst und ich verstehe auch, wie dies allein für manche ein Motivationsfaktor für das jeweilige Spiel sein kann.

Ich habe aber keine Ambitionen ein Pro Gamer zu werden oder mit Spielern mitzuhalten, die über Monate oder Jahre trainiert haben.

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 Was ich eigentlich will

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Was mir vermutlich Spaß bereiten würde, wäre ein Spiel mit ähnlichem Spielkonzept, wie Mario 64 damals. Um zu prüfen, ob ich das Spielerlebnis meiner Jugend nicht romantisiere, habe ich das kürzlich mal wieder eine Stunde lang gespielt. Abgesehen von der antiquierten Grafik finde ich es aber immer noch ausgezeichnet. Ein paar Stichpunkte, warum es mir so gut gefällt.

  • immer neue, andersartig, intelligent designte Herausforderungen
  • ein immer präsentes, höheres Ziel
  • verschiedene Spielmodi innerhalb des Spiels, z.B.
    • tauchen
    • fliegen
    • Berg hochklettern
  • keine exzessive Gewalt
  • extrem leichter Einstieg
  • Möglichkeit, selbst nach Erreichen des Spiels Neues zu entdecken (120 Sterne erlangen)

Vor allem turnen mich Waffen ab. Warum braucht nahezu jedes Spiel heutzutage Waffen? Immer hat man irgendeine scheiß Knarre oder Schwert in der Hand. Immer kaputt machen.

Das ist auch kein politisches Ding von mir oder so. Soll von mir aus so viele brutale Spiele auf dem Markt geben, wie Bedarf dafür ist. Anscheinend viel :) Habe mal von Bekannten gehört, sie können mit solchen Spielen Stress abbauen, mich langweilt das aber total.

headshots

Schauen wir uns mal in die Top 10 der z.Z. meistverkauften Spiele auf Steam an, der vermutlich größten Verkaufplattform für PC-Spiele. Gefolgt von meiner extrem simplifizierten Beschreibung dieser Spiele

  1. Grand Theft Auto V
    • Open World Ballerspiel, vorbestellbar, auf Konsolen bereits verfügbar
  2. H1Z1
    • Zombiespiel
  3. Counterstrike
    • Egoshooter
  4. Insurgency
    • Egoshooter
  5. Resident Evil HD
    • Egoshooter
  6. GRID
    • Autorennen
  7. Saints Row: Gat out of Hell
    • Egoshooter mit anderen Spielelementen
  8. DayZ
    • Zombiespiel
  9. Rust
    • Open World 3D Survival Game
  10. Ziggurat
    • etwas anderer Egoshooter

Grand Theft Auto als Ballerspiel abzustempeln, geht sogar mir ein bisschen zu weit. Immerhin kann man dort mittlerweile auch Autorennen absolvieren, Tennis spielen oder Achterbahn fahren. Den Open World Charakter des Spiels finde ich auch interessant. Aber dann geht es in den meisten Missionen auch wieder darum Leute zu erschießen.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Bei 9/10 Spielen der Top 10 meistverkauften Spiele, trägt man eine Waffe und muss Menschen oder Monster umlegen. Warum ist das so in der PC-Spielewelt? Muss ich mir echt eine verdammte Nintendo Konsole kaufen, um ein paar wenige Spiele zu bekommen, die denen aus meiner Jugend ähneln?

Aber ausprobieren wollte ich es trotzdem, habe ich ja geschrieben.

letsfdothis

Mir wurde Borderlands 2 empfohlen. Ein Spiel, welches von Spielekritikern und Gamern mit 89/100 bzw. 8,1/10 bewertet wurde. Also ziemlich gut.

Hier ein sehr, sehr kurzer Gameplay Einblick.

Es gilt, grob gesagt, einer größeren Story zu folgen, Missionen zu erfüllen, Gegner abzuballern, Auto zu fahren und dabei ebenfalls Gegner abzuballern.

steam

Nun habe ich Borderlands 2 über die letzten Wochen fast 24 Stunden lang gespielt. Bin selbst etwas erschrocken. Pros und Cons aus meiner Sicht

Pros

  • sehr guter Multiplayer Modus. Deutlich interessanter, mit anderen Spielern eine Mission zu erledigen. Besonders, wenn man noch miteinander sprechen kann. (Skype/VoIP)
  • Teils gute Story mit lustigen Charakteren, wie einem kleinen Roboter, der auch mal gern Schimpfwörter nutzt.
  • Kein krampfhafter Versuch, Grafik möglichst realitätsnah wirken zu lassen, sympathischer Comic ähnlicher Stil

Cons

  • neben der Story, bleibt es bei der Aufgabe, möglichst viele Gegner zu töten, um den Charakter aufzuwerten
  • abgesehen von besserer Ausrüstung und Kondition, unterscheidet sich das Gameplay wenig bei fortschreitendem Spiel –> es gibt später mehr Punkte beim ballern

Dennoch bleibt es dabei, dass es hauptsächlich um das vorhin erwähnte „anvisieren, schießen, REPEAT“ geht. 90% des Spiels würde ich schätzen. Und gerade daran habe ich doch nicht wirklich Spaß.

Aber alle Top Spiele sind so. Haben wir ja gerade festgestellt.

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…werdet ihr euch jetzt sicherlich denken.

Nein! Sagen auch andere. Natürlich gibt es in der PC-Spielewelt auch andere Spiele, die mir gefallen könnten. Nintendo-Wechslern, denen es anscheinend manchmal ähnlich wie mir geht, bekommen gleich mehrere Empfehlungen.

In einem Chat voller Gamer habe ich auch mal gefragt, was mir denn wohl gefallen könnte. Hier einige der Spiele, welche mir empfohlen wurden, mit einer kurzen Bewertung meinerseits.
Jedes der folgenden 5 Spiele, habe ich mindestens 2 Stunden lang gespielt.

  • Guacamelee
    • Nettes Jump and Run Spiel, leider 2D, es wird auch nur gekämpft.

Weitere, mir empfohlene Spiele, die ich noch nicht ausprobieren konnte, zusammen mit meinem erstem Eindruck, basierend auf Screenshots und Gameplay Videos

  • Evoland
    • sieht interessant aus, werde ich sicherlich noch ausprobieren

Spiele, dich ich unabhängig von diesem Experiment gespielt habe und ziemlich gut finde

 Fazit: Und jetzt?

dogemuch

Und nun? Muss ich mich wohl damit zufrieden geben, dass es heutzutage nur eine Hand voll PC-Spiele gibt, die ich einigermaßen interessant finde.

Für mich ist es irgendwie verwunderlich, dass es bei vielen Spielen, gerade bei AAA Titeln essentiell um Kampf geht, wenn man Sport- und Strategiespiele außen vor lässt.

Wo sind denn die Spiele, die jung und alt gleichermaßen Spaß machen? Mit richtig toller Grafik, ausgearbeiteten Charakteren, interessanten Aufgaben und tollen Multiplayermöglichkeiten.

Vielleicht Spiele, bei denen man auch kooperativ Ziele erreichen kann, ohne immer skillen und auf irgendwelche Gegner draufhauen zu müssen.

Es scheint da keinen Bedarf zu geben. Oder?

Ich mag keine Computerspiele mehr spielen. Schon seit 10 Jahren. Fast immer, wenn mich jemand fragte, ob ich eine Runde mitspielen will, verneinte ich, weil ich mir ziemlich sicher war, dass es mich…

  • Ich weiß nicht, ob es dir was hilft, aber ich fand zuletzt „The Banner Saga“ ziemlich gut. Es hat eine dichte Geschichte und einen netten RPG-Anteil, der aber nicht in Excel-Orgien ausartet. Immer wieder werfe ich auch „Crypt of the Necrodancer“ an. Das ist eigentlich ein klassisches Roguelike, allerdings mit dem Twist, dass du deine Figur im Takt der Musik bewegen und kämpfen musst. Dann wäre da noch „TRI“ vom deutschen Entwickler Rat King Entertainment. Das ist ein 3D-Puzzle Game, das an Portal erinnert. Hier bewegt man sich mithilfe von Dreiecken fort, um einen verlorenen Fuchsgott zu finden.

    Ausserdem gibt es Titel wie „Never Alone“ oder „Octodad“, die ich selbst noch nicht gespielt habe, aber die ich sehr interessant finde. In meinen Augen gibt es durchaus einen ganzen Haufen interessanter Spiele, auch wenn ich verstehen kann, dass du teilweise keinen Bock mehr auf aktuelle Titel hast. Von großen Titeln erwarte ich heute auch keine netten Ideen mehr (mal abgesehen von dem, was Nintendo so rauswirft). Das Gesamtangebot an Spielen ist allerdings so groß wie nie. Man muss die Rosinen nur finden. Mir helfen dabei Superlevel und Insert Moin.

  • Pascal

    So ging es mir auch lange Jahre und ich weiß noch nicht woher diese Stimmung kommt. Vielleicht daher, weil sich bei den Gamegenres so wenig tut und alles nur Wiederholung ist. Bestimmt ist ein großer Anteil auch Verklärung der Spiele aus der „guten alten Zeit“ meinerseits.

    Um ehrlich zu sein, finde ich Game Design inzwischen interessanter als das tatsächliche spielen eines Computerspieles.

    Nach langer Pause hab ich wieder angefangen damit. Warum? Der Grund war sicherlich Indie Game – The Movie http://www.indiegamethemovie.com/. Der Film hat mir damals eine Richtung von Spielen gezeigt, in der noch interessante Konzepte entstehen können. AAA-Titel haben viel zu viel Risikopotenzial, als dass sie sich ein abweichendes Genre abseits von Shooter, Rennspiel, etc. annehmen könnten.

    Nach dem Film hab ich mir eine XBOX 360 gekauft, weil ich unbedingt FEZ (http://fezgame.com/) spielen musste. Sicher – es ist ein Platformer wie so viele – aber die Spielmechanik ist der interessante Teil davon.
    Auch fand ich Braid (http://braid-game.com/) von Jonathan Blow richtig klasse. Wenn du auf nicht kampfbasierte Spiele stehst, schau dir auch mal die Rätselspiele Botanicula (http://botanicula.net/) oder World of Goo (http://worldofgoo.com/) an. Falls du Adventures magst The Journey Down (http://www.thejourneydown.com/)
    Für Multiplayer kann ich dir folgende raten: Ms. Splosion Man (http://www.mssplosionman.com/) – ich kenn zwar nur den Vorgänger für XBOX, aber laut meinen Infos ist das weibliche Pendant das Selbe in grün. Wenn du mit mehreren Leuten gern rätselst, kann ich The Cave von Ron Gilbert (Monkey Island, Maniac Mansion) empfehlen: http://thecavegame.com/about.html

    Viel Spaß beim Spielen :)
    Pascal

  • sprity

    TL;DR aber ich wollte auch einen netten Kommentar hinterlassen.